Hessischer Bildungsserver / Unterricht

FSP Sozial Emotional

Informationen zum Förderschwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung

Baldur Drolsbach, Landesreferent ESE im Verband Sonderpädagogik, Schulleiter im rBFZ

Pädagogische Krisen in der Schule- Prävention und Intervention – zwei Zugänge zur Bewältigung Creative Commons Lizenzvertrag 

Wo Menschen miteinander interagieren, sind Missverständnisse und Interessenkollisionen an der Tagesordnung. Eine schlechte Note, der Streit mit einer Mitschülerin, die Warteschlange am Kopierer, das Nichtverstehen einer Aufgabe, Spannungen zwischen Kollegen sind nur einige Beispiele hierfür. Reichen die persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten und –strategien des einzelnen Menschen nicht aus, wird der Konflikt zur Krise. Da jeder Mensch (sowie auch jedes System) aufgrund seiner individuellen Entwicklung und Geschichte eigene Bewältigungsmöglichkeiten und –strategien aufgebaut hat, ist das Ereignis, welches die Krise auslöst, sehr subjektiv.

Im Leitfaden zum „Handeln in Krisensituation“ für Schulen (2011, 6), eine Kooperationsschrift des Hessisches Kultusministerium und des Hessisches Ministerium des Innern und für Sport, wird die Krise wie folgt definiert: „Krisen sind im Detail nicht vorhersehbare Situationen, für die zunächst keine Verhaltensroutinen zur Verfügung stehen. Sie gehen daher mit Unsicherheit einher und sind für den Krisenmanager und die Betroffenen Situationen, die sich von bisherigen Erlebnissen und Erfahrungen abheben.“

Der Begriff der „Krisen“ wird in vielfältigem Kontext verwendet. Im erwähnten Handlungsleitfaden findet er jedoch nur bei Gewalttaten mit Toten und Schwerverletzten, schweren Unfälle oder Naturkatastrophen Anwendung und erfährt folgende Einschränkung: Ereignisse wie z.B. kleine Schlägereien, Beleidigungen, Sachbeschädigungen und Anpöbeleien sind zwar ernstzunehmende Vorfälle und für die Betroffenen unter Umständen sehr belastend, jedoch eher pädagogische Herausforderungen, auf die Lehrkräfte adäquat reagieren müssen, die aber nicht als Krise oder Notfall zu bezeichnen sind“ (ebenda).

Schulartübergreifend stellt das Verhalten von sogenannten „schwierigen Schülern“ den größten Belastungsfaktor im Beruf dar. In einer Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach (2011) gaben über die Hälfte der Befragten Lehrkräfte aus den verschiedenen Schularten an, dass der Unterricht und der Umgang mit Schülern in den letzten fünf bis zehn Jahren anstrengender geworden sei. Den Lehrkräften müssen ausreichende Handlungsoptionen und Bewältigungsstrategien für diese Situationen zur Verfügung stehen, um dem hohen Belastungs- und Anstrengungsfaktor zu begegnen.

Das der Umgang mit diesen Herausforderungen eine Krise auslösen kann, ist nicht zu bezweifeln. Ein differenzierter Blick auf den Begriff ist dennoch notwendig. Während unter dem Begriff der „schulischen Krise“ Ereignisse gemäß der Spezifizierung des Handlungsleitfadens gefasst werden können, sind „pädagogische Krisen“ die Situationen und Ereignisse im Klassenraum, für die zunächst keine Verhaltensroutinen durch die Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Während bei „schulischen Krisen“ meist die Schulleitung in der Verantwortung steht, ist die Lehrkraft bei der „pädagogischen Krise“ unter Handlungsdruck.

Sich wandelnde Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen, hohe Leistungserwartungen, verdichtete Kommunikation tragen dazu bei, dass emotionale und soziale Kompetenzen immer stärker in den Fokus des schulischen Handels kommen. Endgültig scheint die Zeit vorbei, dass die Schule sich auf ein stabiles Fundament von gesellschaftlichen Werten und Normen verlassen konnte, die ihre Schüler als Rüstzeug mitbringen. Gründe sind wohl vor allem in den gesellschaftlichen Veränderungen und in der Vielfalt der Milieus und der angebotenen Modelle und Vorbilder zu suchen. Die Schule von heute braucht mehr als erzieherische Erfahrung und die Hoffnung auf schon irgendwie handelnde Lehrkräfte. Sie braucht vielmehr eine breite Diskussion dieser Fragen in den Schulgemeinden und unter den Kollegien und letztendlich eine Konzeption, die dieser Herausforderung gerecht wird. Es geht einerseits darum, durch präventive Bemühungen die Fähigkeit zur konstruktiven Kommunikation zu verbessern und damit die Häufigkeit von Eskalationen zu verringern und andererseits durch angemessene Vorkehrungen in der Krise handlungsfähig zu bleiben. Ein gestuftes Erziehungskonzeptes der allgemeinen Schule erfordert neben vielfältigen präventiven und ambulanten Strategien auch ein Interventionskonzept in Krisensituationen. Kleinere und größere Krisen bedürfen einer abgewogenen und zielsicheren Reaktion der Lehrkräfte.

Dieser Förderschwerpunkt stellt uns vor große Herausforderungen. Hier haben wir viele Problemlagen von Kindern und Jugendlichen, welche nicht mit Hilfe eines  "Online-Tools" schnell bedacht werden können. 

Dennoch gibt es vielleicht das ein oder andere das als "Erste Hilfe" Berücksichtigung finden könnte:

  • Classroomscreen: Eine Webbasierte "virtuelle" Tafel, die vorbereitet werden kann mit Arbeitsaufträgen, Zeitmesser, "Ampel"  u.v.m. Eignet sich sehr für Klassenräume mit Beamer oder Smartboard

  • Das TeamPinBoard: Ein analoges Instrument welches der Ermutigung dient und sichtbar machen soll, wie ein förderliches, soziales Miteinander in der Schule planvoll und gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern umgesetzt werden kann. Eigenet sich zum Beispiel im inklusiven Setting. 

Classroom-Managment

Verstärkerpläne 

Weiterführende Informationen zum Förderschwerpunkt