Hessischer Bildungsserver / Unterricht

FSP Sprache

Die Kolleginnen und Kollegen der ERICH KÄSTNER – SCHULE - Schule mit dem Förderschwerpunkt Sprachheilförderung- Kompetenzzentrum Sprache in Offenbach haben die folgenden Informationen zusammengetragen.

Diese stehen hier auch zum Download bereit. Bitte Lizenz beachten: CC BY-NO-SA Creative Commons Lizenzvertrag

 

Gelingensbedingungen für die Förderung von Kindern und Jugendlichen

mit dem Förderschwerpunkt Sprache:

Unterrichtsprinzipien allgemein

  • Diagnostik (genau, wissenschaftlich, beweisbar, frühzeitig, regelmäßig, solide und fundiert)
  • Zugewandtheit ( VERSTÄNDNIS für die Defizite aufbringen, ergo besonderes Einfühlungsvermögen, Geduld und Zuversicht, Fähigkeit, sich hineinzuversetzen und an der Basis zu beginnen bzw. erst Fundamente schaffen, die anderswo vorausgesetzt werden) 
  • Ganzheitlichkeit (kein Nebeneinander von Therapien und Fördermöglichkeiten, sondern immer die GESAMTPERSÖNLICHKEIT des Kindes mit all seinen Aspekten fördern, ein Ineinandergreifen u. Verzahnen der verschiedenen Bereiche ist hier hilfreich und somit erst durch die Komplexität zielführend. Fördere ich Bewegung, fördere ich auch -indirekt- Sprache usw.)
  • Differenzierung und Individualisierung (aus gezielten Beobachtungen ergibt sich die differenzierte Sichtweise und die Ableitung individueller Maßnahmen, Ausschöpfung mehrerer Möglichkeiten je nach spezieller Sachlage/Entwicklungsstand)
  • Exemplarität (sorgfältige Auswahl, Gewichtung der Unterrichtsinhalte sowie besondere Art und Weise der Aneignung von Fähigkeiten, Fertigkeiten, Wissen und Kenntnissen)
  • Handlungs- und Projektorientierung (fächerübergreifend, vermehrt und länger Anschauungs- und Hilfsmittel, längeres Verweilen auf der gegenständlich-handelnden Ebene, öfter Sammeln von Erfahrungen im wörtlichen Sinn -mehr „Begreifen“, „Anfassen“)
  • Kommunikationsorientierung, -verstärkung, -individualisierung (Erwerb von eigenen sprachlichen Erfahrungen, Bewusstmachen von Möglichkeiten der zwischenmenschlichen Kommunikation, Einsicht u. Vermittlung der vielfältigen sprachlichen  Ausdrucksformen)
  • Sinnesschulung (die häufig wahrnehmungsbeeinträchtigten Kinder benötigen besondere, individualisierte und spezifische Wahrnehmungsförderangebote aller Sinnesbereiche – extra und auch unterrichtsimmanent als wesentliche Grundlage für den Spracherwerb und das Lernen)

Neben allgemeinen methodisch- didaktischen Prinzipien zur Schaffung einer sprachfördernden Lernumgebung im Unterricht mit sprachauffälligen Schülerinnen und Schülern, werden Maßnahmen zur spezifischen Sprachförderungen sowohl für die Arbeit im Klassenverband als auch in der Gruppen- bzw. Einzelförderung beispielhaft aufgezählt.

Soll schulisches Lernen bei sprachbeeinträchtigten Schülerinnen und Schülern gelingen, ist es erforderlich, Lernanforderungen und sprachliche Lernvoraussetzungen in Einklang zu bringen.

In allen Unterrichtsfächern gilt es die Unterrichtinhalte und -methoden auf ihre sprachtragenden Elemente hin zu analysieren. Sprachförderung findet unterrichtsimmanent statt.

  1. Lehrersprache als Medium der Förderung

Im Unterricht mit sprachbeeinträchtigten Kindern und Jugendlichen, jedoch darüber hinausgehend auch in Bezug auf die Initiierung von sprachlichen Lernprozessen, ist die Lehrersprache sehr wichtig.

Von hoher Relevanz sind folgende Gesichtspunkte:

  • klare, lautreine nicht zu schnelle Aussprache
  • korrekte Artikulation
  • reduzierte Komplexität: kurze, einfache Arbeitsanweisungen und Satzstrukturen
  • Zurücknahme der eigenen Sprache zur Erhöhung des Sprachumsatzes der Schülerinnen und Schüler
  • eigenes Handeln mit Sprache begleiten
  • Unterstützung der Sprache durch nonverbales Kommunikationsverhalten (Gestik, Mimik)
  • Einsatz von Modellierungstechniken, wie Vorgabe der Zielstruktur, Parallelsprechen, Alternativfragen, korrektives Feedback, Umformung, Expansion
  • Lautgebärden je nach Leselehrgang

Folgende Ausführungen sind fachspezifisch auf die einzelnen zu fördernden sprachlichen Bereiche bezogen. Diese dürfen nicht isoliert gesehen werden, sondern müssen immer in ihren wechselseitigen Bezügen erfasst und die Förderung entsprechend, ganzheitlich umgesetzt werden.

  • Förderung im phonetisch-phonologischen Bereich

Förderung auf der phonetischen Ebene

Die vorgeschlagenen Schritte stellen nicht zwingend eine Hierarchie dar. Die Reihenfolge ist lediglich Anhaltspunkt und individuell zu handhaben.

  • Lautdifferenzierung
  • Lautanbahnung / Lauterarbeitung gemäß phonetischer und phonologischer Gesetzmäßigkeiten
  • Transfer und Festigung der erlernten Lautstruktur in der Spontansprache im Unterricht
  • nicht sprachliche  Geräusche und sprachliche Laute bilden und variieren - Lautmalereien (z.B. Tierstimmen imitieren)
  • Spiele zur auditiven Aufmerksamkeit, auditiven Differenzierung, auditiven Seriation und auditiven Merkfähigkeit, B. Kofferpacken
  • Stütze durch Lautgebärde

Unterrichtliche Fördermöglichkeiten auf der phonologischen Ebene

  • Förderung der phonologischen Bewusstheit im weiteren Sinne
  • Sprachrhythmus z.B. Fingerspiele
  • Silbenklatschen z.B. Silbenrallye
  • Reime z.B. Sprechhexe
  • Förderung der phonologischen Bewusstheit im engeren Sinne
  • Lautlokalisation
  • An-, In- und Endlaute hören
  • Lautdifferenzierung
  • Laute synthetisieren
  • Laute ersetzten
  • Förderung im syntaktisch-morphologischen Bereich

Besondere Bedeutung in diesem Bereich kommt der Förderung grammatikalischer Strukturen zu. Hier bieten sich Sprachförderspiele zur Grammatik an, z.B. LIngoplay Verben, „Lach dich schlapp“.  Die Lehrersprache dient hierbei als Vorbild, insbesondere die Sprachmelodie, Rhythmisierung und Betonung. Unabdingbar ist es zahlreiche Sprechanlässe zu schaffen sowie den Unterricht so zu planen, dass dem Lesen und Vorlesen viel Raum gegeben wird.

Wichtige Unterrichtsmethoden sind z.B. ebenfalls:

  • Rollenspiel mit Requisiten (aus Handlung ergibt sich Sprache), Satzanfänge, Satz- oder Wortauswahl, Lückentext, Ankreuzgeschichten
  • als Visualisierung einsetzen (Plakate mit Satzanfängen, Lückensätze, Wortkarten → Einsetzen/ Markieren der fokussierten Struktur)
  • Förderung im semantisch-lexikalischen Bereich
  • Gesellschaftsspiele und Spiele zur Sprachförderung („Na Logo“, „Wer? Wie? Was?“, „Memory“, „Wer ist es?“, „Ich packe meinen Koffer“…)
  • Erarbeitung von Wortfeldern (mit Bildmaterial / Clustern / Pantomime-Verben ausdifferenzieren.)
  • Oberbegriffe, Ausdifferenzierung: Nomen, Verb, Adjektiv, Gegensatzpaare…),Verknüpfung von Realgegenständen mit Bild- und Wortkarten
  • häufige Wiederholung der neuen Wörter
  • bei Wortfindungsstörungen semantische Hilfen geben („schmeckt süß“)
  • Arbeit mit dem Wörterbuch
  • Unterstützung des Sprachverständnisses durch Mimik und Gestik, Symbole oder schriftsprachliche Hinweise
  • häufiges Nachfragen bzw. Fragen zum Text und zur Vorwegnahme des Fortgangs der Geschichte
  • Förderung im pragmatisch-kommunikativen Bereich
  • gezielte Planung von Kommunikationsanlässen
  • Spielraum für Sprechhandlungen geben
  • Zeit nehmen, Zeit lassen, Raum für Äußerungen ermöglichen – aktives Zuhören
  • Wohlfühlklima schaffen durch ein ruhiges, angstfreies Arbeitsumfeld,
  • positive Verstärkung
  • auf den Inhalt - nicht auf die Form - achten und diesen hervorheben
  • Entspannungsübungen
  • Störungsbewusstsein im positiven Sinne schaffen
  • B. Bildkarten-Geschichten, Spiel: Puppenhaus

Neben den vier Sprachebenen sollte die Förderung im auditiven Bereich durchgängig im Unterricht  beachtet  werden:

  • ruhige Arbeitsatmosphäre schaffen
  • vielfältige Stilleübungen und Hörübungen im Unterricht einfließen lassen
  • Bewegung kommt ins Gleichgewicht
  • Intensivierung der auditiven Übungen bei der Buchstabeneinführung (Indianerlaute, Umlaute. Zwielaute)
  • Unterstützung durch andere Lernkanäle und Wahrnehmungsbereiche ( visuell, taktil-kinästhetisch, motorisch)
  • Schalldämmung
  • Gesprächsregeln in der Klasse einhalten
  • Rituale zur Strukturierung des Tagesablaufes
  • Arbeitsaufträge wiederholen lassen, visualisieren (z.B. Piktogramme)
  • Spiele zur auditiven Merkfähigkeit mit bestimmtem Wortmaterial in den Unterricht einbauen („Ich packe meinen Koffer“, „Dinge berühren“…)
  • Töne, Klänge, Geräusche unterscheiden lernen
  • Spiele zur auditiven Aufmerksamkeit, Differenzierung
  • Auditive Speicherfähigkeit, visuelle Wahrnehmung z.B. KIM-Spiele

 Info- Broschüren

  • dgs-Broschüre „Sprachliche Bildung und Sprachförderung in der Schule“,  2018
  • dgs-Broschüre „Sprachliche Bildung und Sprachförderung in der Kita“, 2018

(beide Broschüren online zu lesen und zu bestellen unter www.dgs-ev.de )

  • Hess. Ministerium für Soziales und Integration „Sprachentwicklung und Sprachförderung bei Kindern“,  dort kostenfrei zu bestellen

Zur Vertiefung:

Der Landesvorstand der dgs Hessen hat in den vergangenen Jahren 2 umfassende Papiere zu den Grundsätzen der schulischen Förderung  von Kindern mit Spracherwerbsstörungen erarbeitet, zu finden auf der Homepage der dgs hessen:www.dgs-ev.de/hessen, dort unter der Rubrik „ Links und Downloads“:

Fördermaterial:

  • Sehr zu empfehlen für die Förderung in Kleingruppen: lingoPlay-Lernspiele und Kartenspiele zur Sprachförderung : lingoplay.de  dort auch Gratismaterial zum Download für das häusliche Lernen während der Corona-Zeit
  • Die Homepage von Dr. Karin Reber : karin-reber.de enthält einen umfangreichen Schatz an Tipps, Downloads, Apps und Links zu den Themen Sprache und Unterricht

  • Hörbuch: Logopädischer Mundsport für Kinder. Lippen- und Zungenübungen für eine klare Sprache mit Lotta, der Logoraffe. Von Steffi Richter und Abbas Schirmohammadi. Via Naturale Verlag 

  • Auf der Homepage der Erich Kästner-Schule Offenbach eks-offenbach.de gibt es zusätzliche Materialien/Links/Hinweise

    

Informationen zu Online Tools - Förderschwerpunkt Sprachheilförderung

  • Dr. Karin Reber hält auf ihrem BLOG Informationen zum FSP Sprache bereit

Informationen auf Webseiten: