Lernpfad "Phänomen Schweinegrippe und Coronavirus"

Ein Phänomen

Einführung

In diesem Lernpfad lernst Du das "Phänomen Schweinegrippe" besser kennen. Es hat 2009/10 - ähnlich wie 2020 der Coronavirus - zu viel Besorgnis und Angst in der Bevölkerung geführt.

2020 tritt in Zusammenhang mit dem "Coronavirus" das Angst erregende Phänomen eines sich weltweit verbreitenden, "neuen" Virus mit anfangs unklarer Herkunft, Sterblichkeit und Ausbreitungsmechanismus erneut auf. Der Angst kannst du gut mit Fakten gerade über die Bedeutung der einfachen Schutzmaßnahmen entgegenwirken. Diese erfährst du am Beispiel der "Schweinegippe" und des Coronavirus in diesem Lernpfad.
Der Name „Schweinegrippe" ist irreführend. Kein Schwein hat diese Form der Schweinegrippe. Der neue Erreger ist eine Menschengrippe, ähnlich wie die "normale" Influenza, an der jeden Winter hunderte, 2017/18 sogar rund 25.000 Menschen alleine in Deutschland sterben. 2009/10 hat die "Schweinegrippe" viele Menschen in Angst versetzt, obwohl sie nur vergleichsweise wenige Tote forderte (ca. 250 in Deutschland). Man spricht auch von mexikanischer Grippe, amerikanischer Grippe, Neuer Grippe, Neuer Influenza.

Der wissenschaftliche Name der vom 2020 erschienen Coronavirus ausgelösten Erkrankung "Covid-19" erklärt sich übrigens ganz einfach: "Co" steht für Corona; "vi" für Virus und "d" für das englische Wort für Krankheit (disease). Auch ihre Unterschiede zu einer Grippe werden im Lernpfad deutlich.

Die Themen des Lernpfades im Überblick
1 Einführung
2 Was ist ein Virus?
3 Wie kommen die Viren zu ihren Namen?
4 Infektionswege
5 Krankheitsverlauf und Risikogruppen
6 Gegenmittel: Immunabwehr
7 Gegenmittel: Immunisierung
8 Gegenmittel: Vorbeugende Hygiene
9 Gegenmittel: Eindämmung, Schutz und Schadensminderung
10 Gegenmittel: Medikamente
11 Quiz

12 Diskussion: Sinnvolle Umgehensweisen mit Infektionskrankheiten

Dauer dieser Lerneinheit: etwa 2 - 3 Stunden, wenn Du alle Videos/Podcasts anschaust / anhörst.

Was ist ein Virus?

Fachsprachlich heißt es: das Virus, umgangssprachlich auch: der Virus.

Viren sind ansteckende Partikel, die gegen Antibiotika unempfindlich sind. Um sich zu vermehren, brauchen sie eine Wirtszelle in einem anderen Organismus, z.B. den menschlichen Körper. Sie sind also biologisch gesehen keine Lebewesen, weil sie sich nicht allein vermehren können.

Viren bestehen aus einer eiweiß- und fetthaltigen Hülle, in der ihre Erbinformation eingepackt ist. Auf der Hülle sind bestimmte Strukturen, die sich bei den meisten Viren (wie etwa dem Masernvirus) kaum verändern und so als Erkennungsstruktur ("Antigen") etwa für Antikörper im menschlichen Blut dienen können. Gegen diese Viren ist eine Impfung daher sehr leicht möglich.

Das Grippevirus ist dagegen sehr wandlungsfähig. Die aus einer infizierten Zelle entlassenen Viren (also die nächste Generation des Virus) können z.B. ihre Hülle und damit auch mögliche Antigene vergleichsweise stark verändern. Beim Coronavirus ist das nicht ganz so leicht der Fall wie bei Grippeviren.

Den generellen Aufbau eines Grippevirus kannst Du auf dieser Seite sehen (Quelle: welt.de). Achte vor allem auf Begriffe, die mit H oder N anfangen, damit Du die Einteilung der Grippeviren verstehst.

Eine gute Darstellung zum Coronavirus findest Du hier (Quelle: Luzernerzeitung.ch, Stand: 03.2020)

 

Vertiefung:

Die folgenden Medien helfen weiter:

Schaue und lese die Animation  "Bauweise von Viren" (Quelle: Planet Schule)

Wer lieber zuhört: hier ist ein "Podcast Viren" ( Quelle: SWR2 99 Sekunden Wissen)

Wie kommen die Viren zu ihren Namen?

Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern. Bei ihrer Vermehrung können gelegentlich neue, gefährliche Typen entstehen, u.a. weil sie ihre Oberfläche sehr schnell verändern oder Bestandteile anderer Viren aufnehmen können. Das "Schweinegrippen" - Virus, das bei Menschen nachgewiesen wurde, ist eine neu entstandene Variante des Typs H1N1. Der Erreger enthält genetisches Material von Grippeviren, die eigentlich nur Menschen oder Schweine oder Vögel befallen. Vermutlich hat er sich in einem Schwein neu zusammengesetzt, befällt ab diesem Zeitpunkt aber nur noch Menschen. Der "Vogelgrippe" - Virus (eine H5N1 - Variante) befällt im Gegensatz dazu tatsächlich hauptsächlich Vögel und nur in bestimmten Fällen auch den Menschen.

Warum die Coronaviren "Corona" genannt werden, kannst du mit diesem Bild zu ihrem Aufbau beantworten. Es wurde bei einem 2020 infizierten Patienten in den USA isoliert (Quelle: wikipedia, CC2.0 von NIAID-RML, bei Problemen auch hier  direkt zu öffnen).

Das Coronavirus "Sars-CoV-2" ist nicht ganz so leicht veränderbar wie ein Grippevirus, was einen Vorteil bei der Entwicklung eines Impfstoffes darstellt. Die wissenschaftliche Abkürzung steht übrigens für "Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2", zu deutsch „Schweres akutes Atemwegssyndrom Coronavirus 2“.

Infektionswege

Grippeviren vermehren sich beim Menschen vor allem in Nase, Rachen und Lunge. Auch das Coronavirus befällt vor allem die Atemwege.

Die Erreger der "Schweinegrippe" und auch das Coronavirus werden genauso übertragen wie eine gewöhnliche Erkältung oder eine Grippe:
• hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion, vor allem beim Husten oder Niesen
• aber in geringerem Umfang auch über die Hände, besonders beim Händeschütteln oder über den Kontakt mit Flächen und Gegenständen, auf denen sich das Virus befindet. Sobald Du Dir danach mit den Händen ins Gesicht, an die Nase usw. fasst, kannst Du so die Viren übertragen.


Das Virus ist in den Tröpfchen enthalten, die beim Husten oder Niesen aus der Nase und dem Mund entweichen. Die Tröpfchen können durchaus zwei bis drei Meter weit gelangen bzw. nach dem Niesen für kurze Zeit wie eine feine Nebelwolke in der Luft schweben. Wenn Ihr Euch also kurz nach dem Niesen einer infizierten Person nähert, könnt Ihr die Viren mit den Tröpfchen einatmen, oder diese können auf die Schleimhäute von Nase oder Augen gelangen.

Vertiefung
Ein wirklich beeindruckendes Kurzvideo zum Niesen ist hier zu sehen (Quelle:Welt.de).

Öffne die Seite zum Film "Invasion der Viren"  und klick dann auf das erste Kapitel "Verbreitung von Grippeviren", um mehr über die allgemeine Verbreitung von Viren z.B. über Niesen zu erfahren. Dieser Teil dauert 03:40 min. (Quelle: SWR, Planet Schule)

Der Filmausschnitt "So schnell verbreiten sich Viren" zeigt mit einem ähnlich simplen Experiment eindrucksvoll, dass sich Kontaktviren wie Schweinegrippe- oder Coronavirus in einer Gaststätte auch über die Hände unter Menschen ausbreiten können. Auch wenn dieser Übertragungsweg vermutlich beim Coronavirus eine geringere Rolle spielt: Die hohe Zahl der Infizierten sorgt auch hier für die schnelle Verbreitung. Der Filmausschnitt dauert 05:14 min (Quelle: WDR, Quarks "Macht der Viren" 03.2020)

Warum es so wichtig ist, die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen, erklärt dir der kurze Filmausschnitt "So breitet sich Corona aus" (01:19 min). (Quelle: WDR, Quarks "Macht der Viren" 03.2020)

Wie rasend schnell die Ausbreitung verschiedener Viren gehen kann, kannst du mithilfe des Mediums "Ausbreitung von Viren" ganz einfach simulieren. Dabei kannst Du auch die Übertragungswege (Händeschütteln, Küssen...) einschränken und den Effekt deutlich sehen (Quelle: Planet Schule)

In der speziell für den Coronavirus erstellten englischsprachigen Simulation "Covidsim" können Profis noch genauere Vorgaben etwa zur Bevölkerungsgröße, Anzahl der durch einen Covid-19 Erkrankten angesteckten Personen und verschiedenste Maßnahmen gegen die Ausbreitung einzeln einstellen. So können Fachleute die Erfolgsaussichten verschiedener Eindämmungsmaßnahmen durchrechnen. Eine Hilfe gibt Auskunft zur Bedeutung der einzelnen Parameter. (Quelle: Stefan Brockmann (Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg), Martin Eichner (Epimos GmbH), Markus Schwehm (ExploSYS GmbH); 03.2020)

Krankheitsverlauf und Risikogruppen

Die Anzeichen einer Erkrankung lassen sich bei der "Schweinegrippe" nicht von den Symptomen einer normalen ("saisonalen") Grippe unterscheiden: plötzliches Fieber, trockener Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Durchfall, Übelkeit.

Bei COVID-19 Erkrankten variieren die Symptome: Am häufigsten tritt Husten auf (54%), gefolgt von Fieber (41%) und Schnupfen (23%). 

Leider traten bei der "Schweinegrippe" im Unterschied zur saisonalen Grippe auch bei relativ vielen jungen Menschen, die keinerlei Vorerkrankungen haben und zu keiner "Risikogruppe" gehören, schwere Krankheitsverläufe auf. Dies ist nach aktuellem Erkenntnisstand beim Coronavirus nicht im gleichen Umfang der Fall: Junge Leute schützen als potentielle "Virenschleuder" durch ihre Zurückhaltung ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen, wobei sie selbst in den meisten Fällen nur leichte oder gar keine Symptome zeigen. Insgesamt 2,5% der gemeldeten COVID-19 Fälle waren in Deutschland unter 15 Jahre alt (1053 von 42009 Meldungen). Die Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe nimmt mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen (wie Asthma, Diabetes...) zu. 90% der 253 Toten sind 70 Jahre oder älter, obwohl sie nur 10% aller Fälle stellen. Risikogruppen sind also nach dem RKI "Ältere und Vorerkrankte". (Alle genannten Zahlen mit Stand: 27.03.2020, Lagebericht des Robert Koch Instituts).


Welche besondere Gefahr besteht für die Atemwege?
Grippeviren können auch die so genannten tiefen Atemwege befallen. Damit sind die Atemwege unterhalb des Kehlkopfes gemeint. In Einzelfällen kann es dadurch zu gefährlichen Lungenentzündungen kommen.

Dies kann auch bei den wenigen "kritischen bis lebensbedrohlichen" Verläufen von Coronainfektionen der Fall sein, die vermutlich nur ca.6% aller Infektionen ausmachen und vor allem bei Älteren und Patienten mit einer gesundheitlichen Vorbelastung auftreten. Vermutlich über 80% der Krankheitsverläufe sind laut RKI "milde bis moderat" und können symptomlos oder mit einem leichten Husten oder Schnupfen einhergehen. Der Rest ist zwar "schwer", aber nicht lebensbedrohlich. Die hohe Anzahl Infizierter macht die an sich geringen Anteile trotzdem zu einem großen Problem. (Stand: 15.03.2020, FAQ des RKI)

Inkubationszeit
Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung ("Inkubationszeit") ist von der Art des Virus abhängig. Bei den Erregern der saisonalen und auch der "Schweine" - Grippe beträgt diese meist ein bis vier Tage.

Beim Coronavirus werden zwischen 1 und 14 Tagen vermutet, im Mittel bei 5-6 Tagen. (Stand: 15.03.2020, FAQ des RKI)

Diagnose
Eine saisonale Grippe kann der Arzt recht leicht anhand der typischen Symptome diagnostizieren. Um herauszufinden, ob es sich im Einzelfall tatsächlich um "Schweinegrippe" handelt, muss der Arzt/die Ärztin möglichst zeitnah einen Abstrich aus dem Rachenraum oder der Nase entnehmen und ihn im Labor untersuchen lassen. Einen Tag später steht dann das Ergebnis fest.

In der Grippesaison 2014/15 in Deutschland wurden auf diese Art rund 70 000 Influenza - Fälle klinisch-labordiagnostisch bestätigt. Von den dabei festgestellten Erregern wurden zu ca. 61% generell als Influenza A (ohne Angabe des Subtyps), 6% noch genauer als "Schweinegrippen- Subtyp (A(H1N1)pdm09)" identifiziert.

Beim Coronavirus kann ebenfalls die beschriebene "Abstrich" - Methode angewandt werden. Die Zeit bis zur Diagnose kann auch in Deutschland unterschiedlich sein, bleibt aber maximal im Bereich von Tagen. "Schnelltests" sind in mehreren Ländern vorläufig zugelassen und ermöglichen teilweise eine Diagnose in Minuten. Durch den Einsatz von Genchips können bei einem Test von Bosch auch acht andere Viren mitgetestet werden, damit man etwa eine "normale" Grippe vom Coronavirus unterscheiden und entsprechend behandeln kann. (Quelle: FAZ.net Stand: 26.03.20)

Immunität

Wenn jemand eine Infektionskrankheit überstanden hat, kann er normalerweise seine Mitmenschen nicht mehr infizieren und selbst nicht erneut am gleichen Erreger erkranken. Er ist immun geworden. Dies gilt im Gegensatz etwa zum Masernvirus leider bei Viren, die wie Grippeviren ihre Aufbau schnell ändern, nicht unbefristet. Beim Coronavirus ist diese Immunität nach aktuellem Kenntnissstand leichter zu erreichen als bei den extrem wandlungsfähigen Grippeviren.

Diese Immunität wird durch im Blut nachweisbare Antikörper hervorgerufen. Aktuell werden in einem der größten Labore Deutschlands bereits neue Tests zum Nachweis von Coronavirus - Antikörpern eingesetzt, u.a. da diese immunen Menschen nach aktuellem Kenntnissstand zumindest mehrere Monate lang, vielleicht einige Jahre ungefährdet arbeiten gehen und etwa in Krankenhäusern helfen können. (Quelle: laborkrone.de, Stand: 27.03.20, Interview mit C.Droste in Zeit.de vom 20.03.20)

Gegenmittel Immunabwehr

Bekämpfung durch die Immunabwehr

Einige der Grippesymptome sind ein Zeichen dafür, wie schwer unser Körper mithilfe der Immunabwehr die eindringenden Erreger bekämpft. Dabei kämpfen verschiedene "Schlachtreihen" mit, zu denen u.a. zählen:

  • die Haut mit ihrem "Säureschutzmantel" und ungefährlichen Mikroorganismen, die "gefährlichen" Eindringlingen Platz und Nahrung streitig machen
  • Enzyme und Säuren z.B. im Magen, die Eindringlinge zersetzen
  • "Fresszellen" (Makrophagen), die einfach so ziemlich alles fressen, was sie als als "körperfremd" identifizieren können. Alles bisher genannte ist wesentlicher Teil der unspezifischen Immunabwehr.
  • Die Akteure der spezifischen Immunabwehr werden dann zu Hilfe gerufen, wenn die unspezifische Immunabwehr die eingedrungen Erreger nicht alleine besiegen kann. Dazu gehören u.a. Helferzellen, von Plasmazellen produzierte Antikörper oder "Killerzellen" (cytotoxische T - Zellen), die von Erregern befallene Körperzellen zum Absterben bringen.
  • Die Bestandteile der spezifischen Immunabwehr sind speziell gegen einzelne, anhand bestimmter Oberflächenmerkmale ("Antigene") unterscheidbare Erreger gerichtet und werden nach einigen Tagen massenhaft produziert.
  • Beim Kampf der spezifischen Immunabwehr bleiben spezielle Gedächtniszellen zurück. Beim erneuten Kontakt mit einem Krankheitserreger kann dadurch z.B. die massenhafte Produktion passender Antikörper in viel kürzerer Zeit anlaufen und so meist das erneute Ausbrechen einer Krankheit komplett verhindern. Der Körper ist gegen den Krankheitserreger immun geworden. Dies nutzt der Mensch bei der Immunisierung durch Impfungen aus.

Vertiefung:

Die einzelnen Bestandteile der Immunabwehr werden dir in diesem Kurs ausführlich und mit Animationen vorgestellt.

Auch in diesem Online - Selbstlernkurs wird dir alles rund ums Immunsystem erklärt. Mit Lückentexten, Quiz, Lernkontrollen...

Gegenmittel Immunisierung

Eine Impfung kann generell dafür sorgen, dass ein Erreger so schnell von der Immunabwehr besiegt wird, dass erst gar keine deutlichen Anzeichen für eine Erkrankung feststellbar sind.

Bei Grippeerregern ist die Impfung leider nicht ganz so einfach wie etwa beim Masernvirus, der leicht durch eine Schutzimpfung auszurotten wäre. Das liegt u.a. daran, dass Grippeviren bei der Vermehrung ihre Oberfläche sehr schnell verändern können. Dadurch wandeln sich die "Antigene", was die Produktion eines passenden Impfstoffs gegen den Erreger erschwert. Aufgrund der vielen unterschiedlichen Grippevirustypen ist auch schwer voraussagbar, welcher Typ in einer bestimmten Region in der nächsten Saison vorherrschen wird und daher beim Impfstoff berücksichtigt werden sollte. Insgesamt hat die Grippeimpfung im Gegensatz zu allen anderen Impfungen daher einen jährlich schwankenden, teilweise relativ geringen Schutzwirkungsgrad. Deswegen wird sie von einigen Medizinern für junge Menschen nicht ausdrücklich empfohlen.

Generell wird zumindest für Risikogruppen wie Schwangere und chronisch kranke Menschen mit zum Beispiel Diabetes, Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen bzw. generell herabgesetztem Immunsystem eine Grippe - Schutzimpfung empfohlen.

Eine Impfung gegen das Coronavirus wird frühestens im Jahr 2021 erwartet. Da das Coronavirus sich viel weniger abwandelt als Grippeviren, ist der Impfstoff vergleichsweise leichter zu entwickeln und dauerhafter in der Wirkung. (Stand 03.2020)

Aufgabe

Öffne die Seite zum Film "Invasion der Viren"  und klick dann auf das dritte Kapitel "Ein Impfstoff gegen die Grippe". Dieser Teil dauert 06:00 min. (Quelle: SWR, Planet Schule).

Begründe, warum die Grippeimpfung im Gegensatz zu allen anderen Impfungen jährlich neu durchgeführt werden muss!

Erläutere, warum ein Grippeimpfstoff nicht in jedem Jahr zu 100% vor allen möglichen Grippeerregern schützen kann.

Vertiefung

Die allgemeine Wirkung von passiver und aktiver Immunisierung zeigt dieser kurze Film. Tipp zur Bedienung: Wenn das Video stoppt, gelangt man durch Klicken auf die mit schlecht sichtbaren Pfeilen angezeigten Dinge zu den nächsten Szenen (etwa: Mutter ohne Impfschutz, Kind mit Impfschutz....)

Gegenmittel vorbeugende Hygiene

Vorbeugen!

  • Händewaschen mit Seife senkt das Risiko einer Ansteckung mit Atemwegs-Viren deutlich.
  • Hygienisch Husten und hygienisch Niesen: huste und niese in ein Papiertaschentuch oder in Deine Armbeuge und halte Abstand zu andern.
  • Zum Naseputzen und Husten ein Papiertaschentuch nehmen (kein Stofftaschentuch). Benutzte Taschentücher nicht herumliegen lassen, sondern in einen verschließbaren Papierkorb werfen.
  • Keine "französische" Begrüßung (Wangenküssen...), und das Händeschütteln ist in Erkältungszeiten auch nicht angesagt.
  • Geschlossene Räume regelmäßig lüften

Vertiefung

Schau Dir die Videos an: 

Spot "Richtig Händewaschen"(Quelle: Infektionsschutz.de)

Auf "Bester Schutz vor Corona: Seife oder Desinfektionsmittel?" kannst Du ein Video von "Doktor Wissen" sehen und darunter den Text in Ruhe nachlesen. Alternativ ist das Video auch direkt auf Youtube. (Quelle: spektrum.de 2020)

Sieh dir den Kurzfilm  "Wie andere Nationen Hatschi machen" an! Beurteile, aus welcher Nation der hygienischste Vorschlag zum Niesen kommt! (Quelle: WDR, Quarks und Co 2015)

Fasse in eigenen Worten zusammen, wie Du Dich und andere vor einer Infektionserkankung vorbeugend schützen kannst.

 

 

Gegenmittel Eindämmung, Schutz und Schadensminderung

Die Zahl der durch alle Grippearten insgesamt getöteten Menschen beträgt in den letzten Jahrzehnten jährlich weltweit bis zu 650 000, in Deutschland bis zu 25 000. Die Zahlen schwanken in Abhängigkeit der sich gerade ausbreitenden Erreger von Jahr zu Jahr deutlich. Der "Schweinepest" - Erreger hat 2009/10 in Deutschland "nur" rund ein Hundertstel der genannten Höchstzahl an Opfern gefordert (je nach Studie 250 bis max. 350 Menschen), aber das "Phänomen Schweinegrippe" hat für eine drastisch größere Aufregung und Besorgnis gesorgt. (Quelle: Grippe - Monitor WAZ.de, Stand:30.03.20)

Anhand von Testergebnissen wurden allein zwischen Januar und Ende März bei weltweit über 740.000 Menschen Coronavirus "Sars-Cov-2" - Infektionen nachgewiesen, wovon mehr als 34 000 Menschen gestorben sind. Etwa 156.000 sind im gleichen Zeitraum wieder von einer nachgewiesenen Infektion genesen. Eine häufig aktualisierte Karte mit der weltweiten Ausbreitung findest Du hier. Neu eingeführte Maßnahmen benötigen rund eine Woche, bis sie sich in den Zahlen zeigen. (Quelle: John Hopkins University, arcgis.com)

Die zur Bekämpfung eines weltweiten Erregers eingesetzten Maßnahmen lassen sich grob in verschiedene Phasen einteilen. Meist werden analog zu für die Bekämpfung von Grippeviren existierenden Plänen die folgenden Phasen genannt, die aber bei der Bekämpfung der Ausbreitung des Coronavirus ineinander übergehen:

Eindämmung (Containment) über die auf der vorhergehenden Seite erläuterten vorbeugenden Hygienemaßnahmen hinaus z.B. durch Abstandsregeln oder Verbot größerer Veranstaltungen

Schutz (Protection) von besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen, die etwa in Altersheimen nicht mehr besucht werden dürfen und

Schadensminderung (mitigation) etwa durch die Erhöhung der Zahl von Atemgeräten und Intensivbetten in Krankenhäusern.

Aufgrund der starken Ausbreitung des Coronavirus wird aktuell die Gesellschaft in vielen Staaten praktisch "abgekühlt", um die weitere Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Das deutsche Gesundheitssystem ist weltweit führend und hat u.a.

  • in Bezug auf die relativ zur Bevölkerungsgröße zur Verfügung stehenden Krankenhausbetten insgesamt (umgerechnet rund 600 Betten in Deutschland pro 100.000 Einwohner, Frankreich kommt auf etwa 310, Italien auf weniger als die Hälfte (260), die USA und Spanien auf je 240 - nur Japan (ca. 780) und Südkorea (ca.710) haben vergleichsweise mehr Betten als Deutschland)
  • wie auf die besonderen Intensivbehandlungsbetten (mit 33,9 pro 100 000 Einwohner in Deutschland etwa 4x mehr als Italien (8,6), 3x mehr als Spanien (9,7), 2x mehr als Frankreich (16,3) und deutlich mehr als die in diesem Bereich eine vergleichsweise hohe Dichte aufweisende USA (25,8) oder Österreich (28,9))

eine vergleichsweise sehr gute Ausstattung. (Quelle: Statistisches Bundesamt mit Berufung auf aktualisierte Ländervergleiche der OECD der Jahre 2013 bis 2020 in: FAZ.net, 02.04.20)

Du kannst daher berechtigte Hoffnung haben, dass uns Zustände, wie sie im März 2020 aus völlig überlasteten italienischen Krankenhäusern in den Nachrichten zu sehen sind, in dieser schlimmen Form erspart bleiben werden. Hierzu trägt jeder bei, der durch sein Verhalten die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamt und so die Anzahl der gleichzeitig in einem Krankenhaus zu behandelnden PatientInnen geringer hält.

Die Umsetzung der Maßnahmen bedeutet konkret für Dich:

  • Junge Leute schützen als potentielle "Virenschleuder" durch ihre Zurückhaltung ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen, wobei sie selbst in den meisten Fällen nur leichte oder gar keine Symptome zeigen.
  • Du bist aber nicht unangreifbar für das Virus: Du kannst Dich nicht nur selbst infizieren, sondern junge PatientInnen können in seltenen Fällen auch schwer erkranken! Leider gibt es im Ausland bereits vereinzelte an COVID - 19 verstorbene 16jährige. (Quelle: Deutschlandfunk.de Stand: 26.03.2020, Tabelle 2: Risikogruppen Robert Koch Institut)
  • Halte Dich daher aktuell bitte nicht "unnötig" draußen auf. Klar: Arztbesuche, Apothekengänge oder Lebensmittelkäufe sind genauso drin wie, dass Deine Eltern eventuell noch zur Arbeit gehen müssen. Aber entsprechend den offiziellen Empfehlungen und Kontaktverboten sind reale Treffen zum Quatschen und Kuscheln aktuell nicht angesagt. Und "Corona - Partys" sind einfach nur total bescheuert...

Dies dient zur Verlangsamung der Ausbreitung und auch dazu, die Belastung unserer Krankenhäuser bzw. unseres im weltweiten Vergleich führenden Gesundheitssystems allgemein zu senken.

Vertiefung:

Die seitens der Politik beschlossenen Vorgehensweisen bei "Schweinegrippe" und Coronavirus unterscheiden sich drastisch. Vergleiche das Pro - und Contra zur im Zusammenhang mit dem Coronavirus beschlossenen "Eindämmungspolitik" in den folgenden Quellen. Achte dabei besonders auf Argumente, warum zwar Anlass zur Besorgnis, aber auch beim Coronavirus kein Grund zur Panik herrscht.

 In einer Podiumsdiskussion unter Medizinern kritisiert einer die Behörden in Bezug auf das Fehlen von "angstmindernder Kommunikation". Die drastischen Maßnahmen sorgen bei einem anderen in Bezug auf die Gefährlichkeit des Coronavirus und mit Verweis auf die beim Ausbruch der "Schweinegrippe" ergriffenen Maßnahmen für "Verwunderung". Benötigt würde daher ein "Konzert der Beruhigung". (Quelle: FAZ online, 18.03.2020).

Die "Drei dümmsten Sätze zur Coronakrise" nimmt sich dagegen der Psychologe Prof. Christian Stöcker in seiner Kolumne vor. Jeder Kommentar oder Kolumne will nicht nur informieren, sondern durch Meinungsäußerung Menschen beeinflussen. Die zum Erreichen der (absolut sinnvollen) Ziele benutzte Sprache ist in diesem Fall mit Absicht nicht beruhigend, sondern führt u.a. die durch die hohe Anzahl Betroffener bestehenden Gefahren drastisch vor Augen. (Quelle: Spiegel.de, 22.03.2020)

Die Kommissionspräsidentin der EU, Ursula von der Leyen, spricht in einem "Bild live" - Interview aus Anlass der Verhängung des Einreisestopps für Nicht - EU - Bürger neben den in einigen europäischen Staaten verhängten "Ausgangssperren" auch zum bisherigen Verhalten von Politikern. Sieh dir zuerst das ausführliche Interview genau an (17:52min). Die in einer Zeitung notwendigerweise verkürzte Darstellung des Interviews in der Bildzeitung könnte durchaus mit dazu beigetragen haben, dass von einigen das Fehlen "angstmindernder Kommunikation" bemängelt wird. (Quelle: Bild.de, 18.03.2020)

In seinem Beitrag "Wege aus dem Lockdown" erläutert der Virologe Alexander Kekulé seine Sichtweise zum künftigen Schutz von Risikogruppen, angepassten Abstandsregeln und sinnvollen Wegen zur Lockerung der aktuellen Bekämpfungsmaßnahmen. Hierdurch könnte "die Sterblichkeit durch Covid-19" nach seiner Beurteilung ohne Überlastung der medizinischen Versorgung "in eine Größenordnung reduziert werden, die sich von einer schweren Influenzasaison nicht wesentlich unterscheidet." Diese Größenordnung haben wir am Beginn der Seite angegeben: In Deutschland bis zu 25.000 Tote pro Jahr. (Quelle: Zeit.de, 26.03.20)

 

Gegenmittel Medikamente

Wenn wir in einem guten körperlichen Zustand sind, kann unsere Immunabwehr die Grippe meist relativ schnell besiegen. Im Zuge der "Schweinegrippe" wurden neue Medikamente ("Tamiflu" und "Relenza") eingeführt, die dem Körper bei schweren Grippeerkrankungen dabei helfen sollen. Sie verringern die Vermehrung von Grippeviren innerhalb des Körpers, haben aber ein ganz anderes Wirkprinzip und ersetzen daher keinesfalls eine Grippeimpfung.

Die beiden "Grippemittel" Tamiflu und Relenza sind nach dem ersten "Schweinegrippen - Hype" in der Wirkung umstritten.

Gegen den Coronavirus "Sars-CoV-2" gibt es aktuell noch keine Medikamente, aber es wird intensiv daran geforscht. Man testet auch ob Medikamente, die sonst gegen andere Erkrankungen eingesetzt werden, gegen die Erkrankung Covid-19 helfen können. (Stand: 23.03.2020).

Aufgaben

Beschreibe zuerst die Wirkungsweise von Tamiflu bzw. Relenza. Lies dazu diesen Bericht. (Quelle: Pharmawiki.ch, Stand: 2017).

Schau Dir danach die folgenden Beiträge an, und stelle Pro - und Contra - Argumente zusammen zu den Fragen:

Inwiefern ist die zusätzliche Einnahme von Medikamenten bei einer Grippe sinnvoll? Gegen welche Symptome können sie helfen?

"Tamiflu - Wirksamkeit von Grippe mittel fragwürdig" Eine Studie zum Grippemittel ergibt: Das Mittel ist praktisch wirkungslos.  (Quelle: medizin-transparent.at)

"Grippemittel Tamiflu nutzt nichts"  Das meistverkaufte Grippemittel der Welt verkürzt die Symptome der Krankheit nur um einen halben Tag. (Quelle: Spiegel Online, 10.04.2014)

"Nasenspray, Schmerzmittel & Co" (Quelle: WDR Quarks und Co 2015)

Du kannst auch das Skript zur wdr-Sendereihe von Quarks&Co; "Erkältung - Sieben Dinge, die sie wissen sollten" herunterladen und lesen. (Quelle: WDR 2015)

Quiz

Hast Du nun genug Kenntnisse über die Krankheitserreger, ihr Vorkommen, ihre Verbreitung, ihre Wirkung auf den menschlichen Organismus und über Prophylaxemaßnahmen?

Mit den folgenden kleinen Quiz kannst Du das prüfen:

Erkältungsquiz: Wie kommt man gesund durch den Winter? (Quelle: Spiegel.de)

QUIZ ÜBER DIE SCHWEINEGRIPPE (Quelle: Quizaction.de)

Teste Dein Wissen zum Coronavirus (Quelle: WDR Kinderseite neuneinhalb)

Coronavirus-Quiz: Wie gut wissen Sie Bescheid? (Quelle: Onmeda.de)

Wer es zum Abschluss des Selbstlernkurses weniger ernsthaft mag:

Der Schweizer Tenor Leo Wundergut will mit dem Song
"Kein Schwein steckt mich an" den ersten musikalischen Impfstoff gegen die Schweinegrippe liefern... (03:57min  Quelle: youTube) 

Diskussion

Diskutiert über Eure Meinungen z.B. zu den folgenden Fragen:

Ist es (immer) "unhöflich", einem Menschen zur Begrüßung nicht die Hand zu geben? Was haltet Ihr von der "französischen" Begrüßung (Wangenkuss links / rechts.....)?

Eine Grippeimpfung ist aufgrund der Besonderheiten, die Du hier im Lernpfad gelernt hast, viel weniger wirksam als alle anderen Impfungen. Wem würdest Du die Impfung empfehlen?

Der Masernvirus ist - im Gegensatz zu den extrem wandlungsfähigen Grippeviren - ganz einfach durch eine wirksame Impfung bekämpfbar. Wenn es nicht die "Impfverweigerer" gäbe, könnte er ebenso leicht ausgerottet werden, wie es durch die Schutzimpfungen bereits vor Jahrzehnten beim Pockenerreger gelungen ist. Seit 01.03.2020 ist z.B. Kindern ohne Impfnachweis bzw. Attest über Impfunverträglichkeit die Neuanmeldung bei Kindergärten verboten. Würdest Du auch "Impfverweigerer", die ohne ausreichenden Schutz vor Masernviren sind, vom Besuch öffentlicher Einrichtungen (wie Schulen, Kindergärten etc) ausschließen?

Würdest Du das aktuell auch bei Menschen empfehlen, die keine Grippeimpfung durchgeführt haben?

Sollte Deiner Ansicht nach bei einer höheren Anzahl von

-"Schweinegrippen" oder

-"Coronavirus" - Infizierten

die gesamte Schule über einen bestimmten Zeitraum geschlossen werden?