Lernpfad Schweinegrippe - Alles wandert

Das Phänomen Schweinegrippe

Einführung

In diesem Lernpfad lernst Du das Phänomen Schweinegrippe besser kennen.
Der Name „Schweinegrippe" ist irreführend. Kein Schwein hat diese Form der Schweinegrippe. Der neue Erreger ist eine Menschengrippe, genau wie die, an der jeden Winter rund 10.000 Menschen sterben. Man spricht auch von mexikanischer Grippe, amerikanischer Grippe, Neuer Grippe, Neuer Influenza.

Die Themen des Lernpfades im Überblick
1 Einführung
2 Was ist ein Virus?
3 Das H1 N1 Virus
4 Infektionswege
5 Krankheitsverlauf
6 Gegenmittel: Immunabwehr
7 Gegenmittel: Immunisierung
8 Gegenmittel: Vorbeugende Hygiene
9 Gegenmittel: Medikamente
10 Quiz

11 Diskussion: Was tun wir zur Vorbeugung?

Dauer dieser Lerneinheit: etwa 2 - 3 Stunden, wenn Du alle Videos/Podcasts anschaust / anhörst.

Was ist ein Virus?

Fachsprachlich heißt es: das Virus, umgangssprachlich auch: der Virus.
Viren sind ansteckende Partikel, die gegen Antibiotika unempfindlich sind. Um sich zu vermehren, brauchen sie eine Wirtszelle in einem anderen Organismus, z.B. den menschlichen Körper.

Das Grippevirus ist sehr wandlungsfähig. Den generellen Aufbau eines Grippevirus kannst Du auf dieser Seite sehen (Quelle: welt.de). Achte vor allem auf Begriffe, die mit H oder N anfangen...

Vertiefung:

Die folgenden Medien helfen weiter:

Schaue und lese die Animation  "Bauweise von Viren" (Quelle: Planet Schule)

Wer lieber zuhört: hier ist ein "Podcast Viren" ( Quelle: SWR2 99 Sekunden Wissen)

H1 N1 Virus

Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern. Bei ihrer Vermehrung können gelegentlich neue, gefährliche Typen entstehen, u.a. weil sie ihre Oberfläche sehr schnell verändern oder Bestandteile anderer Viren aufnehmen können. Das "Schweinegrippen" - Virus, das bei Menschen nachgewiesen wurde, ist eine neu entstandene Variante des Typs H1N1. Der Erreger enthält genetisches Material von Grippeviren, die eigentlich nur Menschen oder Schweine oder Vögel befallen. Vermutlich hat er sich in einem Schwein neu zusammengesetzt, befällt ab diesem Zeitpunkt aber nur noch Menschen. Der "Vogelgrippe" - Virus (eine H5N1 - Variante) befällt im Gegensatz dazu tatsächlich hauptsächlich Vögel und nur in bestimmten Fällen auch den Menschen.

Nimm Dir in der Folge Zeit für das tolle »Webspecial bei Planet Schule : es vermittelt in Filmsequenzen und kurzen Texten Wissenswertes rund um das Schweinegrippe-Virus. Wir kommen bei den einzelnen Aufgaben immer wieder darauf zurück.
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Aufgabe: Starte am besten die Flash-Version "Animation Vorsicht Schweinegrippe" bei Planet Schule.
Wenn Du in der gestarteten Animation ein paar  Sekunden wartest, kommt ein  'Virusball' . Klicke auf die Frage
Was bedeutet H1N1?
In der HTML - Version klickst Du einfach im Menü oben links auf dieselbe Frage.

Erkläre nun in einem kurzen Text, wie man Grippeviren einteilt.

Infektionswege

Grippeviren vermehren sich beim Menschen vor allem in Nase, Rachen und Lunge. Die "Schweinegrippe" wird genauso übertragen wie eine gewöhnliche Erkältung oder eine Grippe:
• hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion, vor allem beim Husten oder Niesen
• aber auch über die Hände, besonders beim Händeschütteln oder über Flächen und Gegenstände, auf denen sich das Virus befindet.
Das Virus ist in den Tröpfchen enthalten, die beim Husten oder Niesen aus der Nase und dem Mund entweichen. Die Tröpfchen können durchaus zwei Meter weit gelangen bzw. nach dem Niesen für kurze Zeit wie eine feine Nebelwolke in der Luft schweben. Wenn Ihr Euch also kurz nach dem Niesen einer infizierten Person nähert, könnt Ihr die Viren mit den Tröpfchen einatmen, oder diese können auf die Schleimhäute von Nase oder Augen gelangen.

Vertiefung
Öffne die Seite zum Film "Invasion der Viren"  und klick dann auf das erste Kapitel "Verbreitung von Grippeviren". Dieser Teil dauert 03:40 min. (Quelle: SWR, Planet Schule)

Wie rasend schnell die Ausbreitung gehen kann, kannst du mithilfe des Mediums "Ausbreitung von Viren" simulieren. (Quelle: Planet Schule)

Ein wirklich beeindruckendes Kurzvideo kannst du wieder in der  Flash-Version Animation Vorsicht Schweinegrippe bei Planet Schule sehen. Wenn Du in der gestarteten Animation ein paar  Sekunden wartest, kannst du unten auf "Mensch" klicken. Klicke dann oben auf das Filmsymbol "Hatschi!".

Krankheitsverlauf

Die Anzeichen einer Erkrankung lassen sich nicht von den Symptomen einer normalen ("saisonalen") Grippe unterscheiden: plötzliches Fieber, trockener Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Durchfall, Übelkeit.

Leider treten bei der "Schweinegrippe" im Unterschied zur saisonalen Grippe auch bei jungen Menschen, die keinerlei Vorerkrankungen haben und zu keiner "Risikogruppe" gehören, oft schwere Krankheitsverläufe auf. Die Zahl der durch alle Grippearten insgesamt getöteten Menschen beträgt jährlich weltweit bis zu 500 000, in Deutschland bis zu 20 000. Die Zahlen schwanken in Abhängigkeit der sich gerade ausbreitenden Erreger von Jahr zu Jahr deutlich.

Welche besondere Gefahr besteht für die Atemwege?
Grippeviren können auch die so genannten tiefen Atemwege befallen. Damit sind die Atemwege unterhalb des Kehlkopfes gemeint. In Einzelfällen kann es dadurch zu gefährlichen Lungenentzündungen kommen.

Inkubationszeit
Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung ("Inkubationszeit") ist von der Art des Influenzavirus abhängig. Bei den Erregern der saisonalen und auch der "Schweine" - Grippe beträgt diese meist ein bis vier Tage.

Diagnose
Eine saisonale Grippe kann der Arzt recht leicht anhand der typischen Symptome diagnostizieren. Um herauszufinden, ob es sich im Einzelfall tatsächlich um "Schweinegrippe" handelt, muss der Arzt/die Ärztin möglichst zeitnah einen Abstrich aus dem Rachenraum oder der Nase entnehmen und ihn im Labor untersuchen lassen. Einen Tag später steht dann das Ergebnis fest.

In der Grippesaison 2014/15 in Deutschland wurden auf diese Art rund 70 000 Influenza - Fälle klinisch-labordiagnostisch bestätigt. Von den dabei festgestellten Erregern wurden zu ca. 61% generell als Influenza A (ohne Angabe des Subtyps), 6% noch genauer als "Schweinegrippen- Subtyp (A(H1N1)pdm09)" identifiziert.

Gegenmittel Immunabwehr

Bekämpfung durch die Immunabwehr

Einige der Grippesymptome sind ein Zeichen dafür, wie schwer unser Körper mithilfe der Immunabwehr die eindringenden Erreger bekämpft. Dabei kämpfen verschiedene "Schlachtreihen" mit, zu denen u.a. zählen:

  • die Haut mit ihrem "Säureschutzmantel" und ungefährlichen Mikroorganismen, die "gefährlichen" Eindringlingen Platz und Nahrung streitig machen
  • Enzyme und Säuren z.B. im Magen, die Eindringlinge zersetzen
  • "Fresszellen" (Makrophagen), die einfach so ziemlich alles fressen, was sie als als "körperfremd" identifizieren können. Alles bisher genannte ist wesentlicher Teil der unspezifischen Immunabwehr.
  • Die Akteure der spezifischen Immunabwehr werden dann zu Hilfe gerufen, wenn die unspezifische Immunabwehr die eingedrungen Erreger nicht alleine besiegen kann. Dazu gehören u.a. Helferzellen, von Plasmazellen produzierte Antikörper oder "Killerzellen" (cytotoxische T - Zellen), die von Erregern befallene Körperzellen zum Absterben bringen.
  • Die Bestandteile der spezifischen Immunabwehr sind speziell gegen einzelne, anhand bestimmter Oberflächenmerkmale ("Antigene") unterscheidbare Erreger gerichtet und werden nach einigen Tagen massenhaft produziert.
  • Beim Kampf der spezifischen Immunabwehr bleiben spezielle Gedächtniszellen zurück. Beim erneuten Kontakt mit einem Krankheitserreger kann dadurch z.B. die massenhafte Produktion passender Antikörper in viel kürzerer Zeit anlaufen und so meist das erneute Ausbrechen einer Krankheit komplett verhindern. Der Körper ist gegen den Krankheitserreger immun geworden. Dies nutzt der Mensch bei der Immunisierung durch Impfungen aus.

Vertiefung:

Die einzelnen Bestandteile der Immunabwehr werden dir in diesem Kurs ausführlich und mit Animationen vorgestellt.

Auch in diesem Online - Selbstlernkurs wird dir alles rund ums Immunsystem erklärt. Mit Lückentexten, Quiz, Lernkontrollen...

Gegenmittel Immunisierung

Eine Impfung kann generell dafür sorgen, dass ein Erreger so schnell von der Immunabwehr besiegt wird, dass erst gar keine deutlichen Anzeichen für eine Erkrankung feststellbar sind.

Bei Grippeerregern ist die Impfung leider nicht ganz so einfach wie etwa beim Masernvirus, der leicht durch eine Schutzimpfung auszurotten wäre. Das liegt u.a. daran, dass Grippeviren bei der Vermehrung ihre Oberfläche sehr schnell verändern können. Dadurch wandeln sich die "Antigene", was die Produktion eines passenden Impfstoffs gegen den Erreger erschwert. Aufgrund der vielen unterschiedlichen Grippevirustypen ist auch schwer voraussagbar, welcher Typ in einer bestimmten Region in der nächsten Saison vorherrschen wird und daher beim Impfstoff berücksichtigt werden sollte. Insgesamt hat die Grippeimpfung im Gegensatz zu allen anderen Impfungen daher einen jährlich schwankenden, teilweise relativ geringen Schutzwirkungsgrad. Deswegen wird sie von einigen Medizinern für junge Menschen nicht ausdrücklich empfohlen.

Generell wird zumindest für Risikogruppen wie Schwangere und chronisch kranke Menschen mit zum Beispiel Diabetes, Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen bzw. generell herabgesetztem Immunsystem eine Grippe - Schutzimpfung empfohlen.

Aufgabe

Öffne die Seite zum Film "Invasion der Viren"  und klick dann auf das dritte Kapitel "Ein Impfstoff gegen die Grippe". Dieser Teil dauert 06:00 min. (Quelle: SWR, Planet Schule).

Begründe, warum die Grippeimpfung im Gegensatz zu allen anderen Impfungen jährlich neu durchgeführt werden muss!

Erläutere, warum ein Grippeimpfstoff nicht in jedem Jahr zu 100% vor allen möglichen Grippeerregern schützen kann.

Vertiefung

Die allgemeine Wirkung von passiver und aktiver Immunisierung zeigt dieser kurze Film. Tipp zur Bedienung: Wenn das Video stoppt, gelangt man durch Klicken auf die mit schlecht sichtbaren Pfeilen angezeigten Dinge zu den nächsten Szenen (etwa: Mutter ohne Impfschutz, Kind mit Impfschutz....)

Gegenmittel vorbeugende Hygiene

Vorbeugen!

  • Händewaschen senkt das Risiko einer Ansteckung mit Atemwegs-Viren deutlich.
  • Hygienisch Husten und hygienisch Niesen: huste und niese in ein Papiertaschentuch oder in Deine Armbeuge und halte Abstand zu andern.
  • Zum Naseputzen ein Papiertaschentuch nehmen (kein Stofftaschentuch). Benutzte Taschentücher nicht herumliegen lassen, sondern in den Papierkorb werfen.
  • Geschlossene Räume regelmäßig lüften

Vertiefung

Schau Dir die Videos an: 

Spot "Händewaschen"(Quelle: WIR GEGEN VIREN)

Sieh dir den Kurzfilm  "Wie andere Nationen Hatschi machen" an! Beurteile, aus welcher Nation der hygienischste Vorschlag zum Niesen kommt! (Quelle: WDR, Quarks und Co 2015)

Fasse in eigenen Worten zusammen, wie Du Dich und andere vor einer Infektionserkankung schützen kannst.

Gegenmittel Medikamente

Wenn wir in einem guten körperlichen Zustand sind, kann unsere Immunabwehr die Grippe meist relativ schnell besiegen. Im Zuge der "Schweinegrippe" wurden neue Medikamente ("Tamiflu" und "Relenza") eingeführt, die dem Körper bei schweren Grippeerkrankungen dabei helfen sollen. Sie verringern die Vermehrung von Grippeviren innerhalb des Körpers, haben aber ein ganz anderes Wirkprinzip und ersetzen daher keinesfalls eine Grippeimpfung.
Die beiden Grippemittel Tamiflu und Relenza sind nach dem ersten "Schweinegrippen - Hype" in der Wirkung umstritten.

Aufgaben
Starte die  Flash-Version Animation Vorsicht Schweinegrippe bei Planet Schule
Wenn Du in der gestarteten Animation ein paar  Sekunden wartest, kannst du unten auf "Mensch" klicken. Klicke auf das Filmsymbol "Wie wirken Medikamente?"

Beschreibe mithilfe dieses Kurzfilms zuerst die Wirkungsweise von Tamiflu und Relenza.

Schau Dir danach die folgenden Videos an, und stelle Pro - und Contra - Argumente zusammen zu den Fragen:

Inwiefern ist die zusätzliche Einnahme von Medikamenten bei einer Grippe sinnvoll? Gegen welche Symptome können sie helfen?

"Der Schmu mit Tamiflu" Eine Studie zum Grippemittel ergibt: Das Mittel ist praktisch wirkungslos. (Quelle: SWR Odysso 2014)

"Nasenspray, Schmerzmittel & Co" (Quelle: WDR Quarks und Co 2015)

Du kannst auch das Skript zur wdr-Sendereihe von Quarks&Co; "Erkältung - Sieben Dinge, die sie wissen sollten" herunterladen und lesen. (Quelle: WDR 2015)

Quiz

Hast Du nun genug Kenntnisse über die Krankheitserreger, ihr Vorkommen, ihre Verbreitung, ihre Wirkung auf den menschlichen Organismus und über Prophylaxemaßnahmen?

Mit den folgenden kleinen Quiz kannst Du das prüfen:

Erkältungsquiz: Was schützt vor einer Erkältung? (Quelle: Spiegel.de)

QUIZ ÜBER DIE SCHWEINEGRIPPE (Quelle: Quizaction.de)

 Wer es weniger ernsthaft mag:

Der Schweizer Tenor Leo Wundergut will mit dem Song
"Kein Schwein steckt mich an" den ersten musikalischen Impfstoff gegen die Schweinegrippe liefern... (03:57min  Quelle: youTube) 

Diskussion

Diskutiert über Eure Meinungen z.B. zu den folgenden Fragen:

Ist es (immer) "unhöflich", einem Menschen zur Begrüßung nicht die Hand zu geben? Was haltet Ihr von der "französischen" Begrüßung (Wangenkuss links / rechts.....)?

Eine Grippeimpfung ist aufgrund der Besonderheiten, die Du hier im Lernpfad gelernt hast, viel weniger wirksam als alle anderen Impfungen. Wem würdest Du die Impfung empfehlen?

Der Masernvirus ist - im Gegensatz zu den extrem wandlungsfähigen Grippeviren - ganz einfach durch eine wirksame Impfung bekämpfbar. Wenn es nicht die "Impfverweigerer" gäbe, könnte er ebenso leicht ausgerottet werden, wie es durch die Schutzimpfungen bereits vor Jahrzehnten beim Pockenerreger gelungen ist. Würdest Du "Impfverweigerer", die ohne ausreichenden Schutz vor Masernviren sind, vom Besuch öffentlicher Einrichtungen (wie Schulen, Kindergärten etc) ausschließen?

Würdest Du das aktuell auch bei Menschen empfehlen, die keine Grippeimpfung durchgeführt haben? Oder sollte nicht besser bei einer höheren Anzahl von "Schweinegrippen" - Infizierten die gesamte Schule tageweise geschlossen werden?